Das Ausflugs-Pausenbrot: selbst packen, einmal fragen (Mila & Freunde, Folge 4)

AKTUALISIERT=2026-10-11LESEZEIT=6 MIN.PRĂśFUNG=HTGF-REDAKTION

Eine Vorlesegeschichte über das Ausflugs-Pausenbrot, für glutenfreie Kinder und die Großen, die ihre Brotdosen packen. Die Klasse fährt für einen Tag auf einen Bauernhof, Mila packt ihre Brotdose ganz allein, und am Lagerfeuer stellt sie eine einzige Frage. In Folge 4 geht es um einen Tag weg von der eigenen Küche und um Erwachsene, die vorausplanen.

Von Mila gepackt

Früher Morgen in der Familienküche: Mila kniet auf einem Hocker und packt ihre petrolfarbene Brotdose mit einem Brötchen, Käse, Gurkensticks, Apfelschnitzen und einem Ei, Papa hält daneben den Deckel, Mehl auf der Wange, Katze Luna auf der Fensterbank

Am Morgen des Klassenausflugs packte Mila ihr Pausenbrot selbst. Alles. Papa durfte den Deckel halten.

Sie hatte einen Plan, und der Plan hatte vier Teile. Etwas, das satt macht: ein Brötchen von Papas Samstagsbacken, mit Käse drin. Etwas Knackiges: Gurkensticks. Etwas Süßes: Apfelschnitze, mit einem Spritzer Zitrone, damit sie nicht braun werden. Und etwas zu trinken, in ihrer eigenen Flasche, der mit der Delle.

Bei Mila zu Hause aßen alle so wie Mila, deshalb war die Küche voller Sachen, die sie essen durfte, und Packen war vor allem Aussuchen. „Und ein gekochtes Ei“, beschloss sie. „Für die Kraft. Bauernhöfe sind harte Arbeit.“

Papa lieĂź den Deckel einrasten. Luna sah von der Fensterbank aus zu, ein bisschen beleidigt, weil niemand etwas fĂĽr sie eingepackt hatte.

Brot am Stock

Ein Bauernhof zur Mittagszeit: Kinder jubeln auf Strohballen, Frau Sommer zeigt auf die Feuerstelle, wo Herr Otto mit einem Holzlöffel über einer großen Teigschüssel winkt; Mila sitzt still mit ihrer leeren Brotdose auf den Knien, Leo sieht sie an, Pip auf dem Zaunpfosten

Auf dem Bauernhof gab es drei Ziegen, einen sehr lauten Hahn und eine Scheune, die nach Heu und Sonne roch. Mittags saß die ganze Klasse auf Strohballen und machte die Brotdosen auf, und Milas war, fand sie, die beste von allen. Leo sagte, sie sehe aus wie ein Picknick für einen kleinen König.

Dann klatschte Frau Sommer in die Hände. „Nach dem Essen“, sagte sie, „macht Herr Otto das Feuer an. Wer will Stockbrot machen?“

Alle jubelten. Herr Otto, der jeden einzelnen Tag in der Schule das Mittagessen kochte und mit einer sehr großen Schüssel mitgekommen war, schwenkte seinen Holzlöffel.

Mila jubelte nicht. Stockbrot war Brot, und Brot war meistens aus Weizen, und Weizen und Milas Bauch waren keine Freunde, nicht mal ein kleines bisschen. Leo sah ihr Gesicht und hörte auch auf zu jubeln.

Eine Frage

An der Feuerstelle: Mila schaut zu Herrn Otto hoch und stellt ihre Frage, Leo direkt hinter ihr; Herr Otto beugt sich freundlich zu ihr hinunter, eine Hand auf der groĂźen TeigschĂĽssel, die andere greift in einen Korb

Mama sagte immer, man muss nur einmal fragen, wenn man die richtige Person fragt. Die richtige Person war hier die mit der SchĂĽssel.

Also ging Mila zum Feuer, Leo einen halben Schritt hinter ihr, und fragte. „Herr Otto, ist der Teig glutenfrei?“

Herr Otto beugte sich ganz zu ihr hinunter. „Diese Schüssel? Nein“, sagte er. „Das ist Weizenteig. In Weizen ist Gluten, also ist diese Schüssel nicht für dich.“ Dann lächelte er unter seinem Schnurrbart. „Aber ich hab einen Plan gemacht.“

Herr Ottos Plan

Herr Otto reicht Mila eine kleine Dose mit petrolfarbenem Deckel und einen Stock mit petrolfarbenem Band; Mila wickelt an ihrem Ende des Feuers ihren eigenen Teig um ihren Stock, Frau Sommer zeigt ihr ĂĽber das Feuer hinweg den Daumen nach oben

Aus dem Korb kam eine kleine Dose mit petrolfarbenem Deckel. „Frau Sommer hat mir letzte Woche von dir erzählt“, sagte Herr Otto, „und deine Mama hat eine Tüte von eurem Mehl mitgeschickt. Die gelbe mit der Sonnenblume. Deinen Teig hab ich heute früh als Allererstes gemacht, in einer sauberen Schüssel, noch bevor ich den Weizen überhaupt aufgemacht habe.“

Dann gab er ihr einen langen Stock mit einem petrolfarbenen Band am Ende. „Dein Teig. Dein Stock. Dein Ende vom Feuer.“

Mila rollte ihren Teig zu einer Schlange und wickelte sie um den Stock, so wie Herr Otto es allen zeigte. Auf der anderen Seite des Feuers zeigte Frau Sommer ihr den Daumen nach oben. Die GroĂźen hatten den Plan schon vor einer ganzen Woche gemacht. Mila musste nur fragen, und jetzt wusste sie es.

Die Hälfte für Leo

Mila und Leo lachen auf einem Strohballen: Mila reißt ihr goldenes Brot am Stock mit dem petrolfarbenen Band für Leo in zwei Hälften, Leo hält sein eigenes, verkohltes Brot zur Seite, Pip auf dem Zaunpfosten schielt nach Krümeln

Leo hielt sein Brot viel zu nah an die Flammen, weil er es eilig hatte, und genau so geht Stockbrot meistens schief. Es kam schwarz heraus. Komplett schwarz. „Das ist ein Vulkan“, sagte er tapfer, und beide lachten so sehr, dass Leo fast vom Strohballen fiel.

Milas Brot kam golden heraus. Sie sah es an, dann Leos traurigen schwarzen Klumpen, und riss ihres in zwei Hälften.

„Hier“, sagte sie und ließ die warme Hälfte in seine Hände fallen. „Meins schmeckt wie Brot. Nur goldener.“

Leo aß es mit zwei Bissen und sagte, es sei das beste Stockbrot in der ganzen Geschichte der Bauernhöfe. Pip wartete auf dem Zaunpfosten hoffnungsvoll auf Krümel. Es war keiner übrig.

Selbst packen, einmal fragen

Abend zu Hause: die leere petrolfarbene Brotdose auf der Arbeitsplatte, ein petrolfarbenes Band am Griff, Mila schläft mit Stiefeln auf dem Sofa, Luna und Pip sehen sich durch das Fenster an

An dem Abend kam die petrolfarbene Brotdose leer nach Hause, mit einem petrolfarbenen Band um den Griff, und Mila schlief mit den Stiefeln an auf dem Sofa ein.

Pack dein Essen selbst. Frag einmal, und frag die Person mit der Schüssel. Dann genieß den Tag. Unser kostenloses Blatt mit Brotdosen-Ideen hat den Pack-Teil, auf Englisch, Deutsch und Italienisch, fertig für den nächsten Ausflug.

Ende, bis nächsten Sonntag.

FĂĽr Eltern: packen, einmal fragen, die Extras planen

Pack den Tag, nicht nur das Pausenbrot. Bei einem Tagesausflug ist das Pausenbrot der einfache Teil, und der Teil, den dein Kind selbst übernehmen kann. Von Natur aus glutenfreies Essen braucht kein besonderes Etikett: Coeliac UK nennt Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Reis und Kartoffeln unter den Lebensmitteln, die bei glutenfreier Ernährung gehen. Bei allem Verpackten entscheidet die Zutatenliste. Dazu ein Brötchen oder Cracker aus eurem eigenen glutenfreien Regal, und die Brotdose ist fertig. Dein Kind aussuchen und packen zu lassen, ist der halbe Spaß und fast das ganze Selbstvertrauen.

Frag vor dem Tag nach den Extras. Das Pausenbrot ist selten die Ăśberraschung. Die Ăśberraschung ist das Stockbrot, der Eisstopp oder die Backecke. Coeliac UK erinnert Schulen daran, Klassenfahrten, Feiern und Kochunterricht nicht zu vergessen, und empfiehlt SchulkĂĽchen einen schriftlichen Plan, gemeinsam mit den Eltern, der die wichtigen Termine des Schuljahrs abdeckt. Wenn der Elternbrief zum Ausflug kommt, stell der Lehrkraft eine Frage: Ist auĂźer dem Pausenbrot noch Essen geplant? Dann bleibt Zeit fĂĽr einen Plan wie den von Herrn Otto.

So sieht ein guter Plan aus. Die glutenfreie Variante wird getrennt zubereitet, mit sauberen Händen, sauberer Schüssel und sauberem Werkzeug. Coeliac UK rät, glutenfreie Zutaten bei Lagerung und Zubereitung getrennt zu halten, und die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) schreibt, dass Lagerung, Vor- und Zubereitung von besonderer Bedeutung sind, mit sorgfältiger Reinigung von Arbeitsflächen und Geräten vor Arbeitsbeginn. Am Lagerfeuer heißt das: der eigene Teig, der eigene Stock, das eigene Ende vom Feuer. Wenn niemand sagen kann, wie etwas gemacht wurde, hat das Pausenbrot seine Arbeit schon getan, und eine glutenfreie Leckerei von zu Hause im Rucksack sorgt dafür, dass dein Kind auch etwas in der Hand hat, wenn die anderen essen.

Quellen: Coeliac UK und die Alltagstipps der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG), gelesen am 3. Oktober 2026. Wir informieren, wir stellen keine Diagnosen: Bei medizinischen Fragen haben eure Kinderärztin, euer Kinderarzt oder eure Ernährungsberatung das letzte Wort.

Die Regel in einem Satz: Selbst packen. Einmal fragen. Den Tag genieĂźen.

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