Kreuzkontakt, Teil 2: Die gemeinsam genutzten Oberflächen, über die Gluten wirklich wandert

UPDATED=2026-09-13READ=16 MIN.REVIEW=HTGF EDITORIAL

Direkte Antwort: In einer gemeinsam genutzten Küche gelangt Gluten durch Rückstände auf glutenfreies Essen – Krümel, Mehlstaub, stärkehaltiges Kochwasser, gebrauchtes Öl – nicht durch das Material, aus dem ein Gegenstand besteht. Diese Chemie ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz identisch; nur die Rechtslage rund um das Wort „glutenfrei“ unterscheidet sich, wie unten erklärt.

Teil 1 hat erklärt, was Kreuzkontakt ist und warum 20 ppm die Grenze ist. Dieser Teil geht Gegenstand für Gegenstand durch: was jede gemeinsam genutzte Oberfläche wirklich trägt, was die Studien gemessen haben, und die Lösung, die das Problem schließt. Es ist eine allgemeine Anleitung für einen gemischten Haushalt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, geschrieben nach der Evidenz – kein Tagebuch aus einem einzelnen Zuhause, und keine Anleitung, die einfach die deutsche Rechtslage über die Grenze trägt, wo sie nicht gilt.

Was „gemeinsam genutzte Oberflächen“ zu Teil 1 hinzufügt

Wie Gluten wandert — die Wege über gemeinsam genutzte Oberflächen Gluten aus Weizen gelangt durch Rückstände auf glutenfreies Essen — Krümel, gebrauchtes Frittieröl, stärkehaltiges Nudelwasser und Mehlstaub — nicht durch das Material eines Gegenstands. Die Nabe ist Gluten; die sechs Speichen sind Bretter und Messer, Toaster, gemeinsam genutztes Öl oder Fritteuse, Sieb und Nudelwasser, Schwamm und Lappen sowie Mehlstaub in der Luft.

Gluten (aus Weizen)

Bretter & Messer Krümel ins offene Glas

Toaster nicht auswaschbar

Fritteuse & Öl Teig bleibt im Öl

Sieb & Nudelwasser stärkehaltiges Wasser

Schwamm & Lappen verteilt Krümel

Mehlstaub setzt sich aufs Essen

In einer gemeinsam genutzten Küche gelangt Gluten durch Rückstände auf glutenfreies Essen — Krümel, gebrauchtes Frittieröl, stärkehaltiges Nudelwasser und Mehlstaub — nicht durch das Material eines Gegenstands. Allgemeine Anleitung für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Gemeinsam genutzte Küchenoberflächen: überträgt sie Gluten – und die Lösung
Gemeinsam genutzte Oberfläche Überträgt sie Gluten? Was zu tun ist
Bretter und Messer Ja, durch Krümel. Ein Messer, das durch Weizenbrot ging und dann in ein Glas, brachte Mayonnaise und Erdnussbutter bei Parsons (2021) über 20 ppm. Ein eigenes Brotbrett für glutenfreies Brot; getrennte Aufstriche oder jedes Mal sauberes Besteck. Andere Bretter in heißem Seifenwasser oder der Spülmaschine waschen. Bretter mit sichtbaren Schnitten und Rillen aussortieren – aus Holz wie aus Plastik.
Holzlöffel und -utensilien Nicht wegen des Materials. Keine veröffentlichte Studie hat Gluten auf einem gewaschenen Holzutensil gemessen; laut AIC ist jedes Utensil aus jedem Material, Holz eingeschlossen, nach richtigem Waschen nutzbar. Waschen – heißes Seifenwasser oder die Spülmaschine entfernt Gluten. Aussortieren, was rissig, ausgehöhlt oder mit Krümeln verstopft ist, in jedem Material.
Toaster Eine Krümelkiste, die sich nicht auswaschen lässt – aber alle 40 Testscheiben lagen unter 20 ppm (nachweisbare Proben bei etwa 5–8 ppm). Ein eigener, nur glutenfrei genutzter Toaster oder ein wiederverwendbarer Toaster-Beutel. Gelegentliches Teilen ist ein kleines Risiko unter der 20-ppm-Grenze – an einem bestimmten Morgen aber nicht null.
Fritteuse / gemeinsam genutztes Öl Ja. Teig und Panade lösen sich im heißen Öl und bleiben darin verteilt, dann überziehen sie alles, was als Nächstes hineinkommt. Frisches Öl in einer sauberen Pfanne oder eine ausschließlich glutenfrei genutzte Fritteuse. Zu Hause: die glutenfreie Portion zuerst in frischem Öl frittieren oder im Ofen backen.
Sieb / Nudelwasser Ja – der deutlichste gemessene Weg. Glutenfreie Nudeln, in gebrauchtem Weizen-Nudelwasser gekocht, erreichten bis zu 115 ppm. Immer frisches Wasser in einem sauberen Topf. Die Nudeln abzuspülen brachte den Wert unter 20 ppm; den Topf vorher auszuspülen machte Gluten nicht mehr nachweisbar. Getrennte Töpfe und Rührlöffel, glutenfrei zuerst abgießen; ein zweites Sieb ist eine sinnvolle Erleichterung.
Schwämme und Lappen Ja – ein krümeliger Schwamm oder ein bemehltes Geschirrtuch verteilt Gluten über Flächen und Teller. Den Lappen vor dem Abwischen für die glutenfreie Zubereitung ausspülen und auswringen, oder Küchenpapier für den ersten Durchgang. Glutenfreies zuerst in frischem Wasser spülen; nach einer Weizen-Backsession die Handtücher in die Wäsche.
Mehlstaub in der Luft Ja, aber weil er sich absetzt und geschluckt wird – nicht durch Berührung. Er landet auf der Arbeitsplatte, dem offenen Glas und dem Teig, der nebenan geht. Erst glutenfrei backen, bevor Weizenmehl herauskommt. Weizenmehl verschlossen und unten lagern, glutenfreie Lebensmittel geschlossen darüber; nach einer Backsession die Flächen abwischen.

Teil 1 hat dir das Prinzip mitgegeben: Glutenfreie Zutaten reichen nicht, wenn Gluten von woanders dazukommt, und Hitze entfernt es nicht – Kochen verändert die Struktur von Gluten, baut es aber nicht so weit ab, dass das Immunsystem es nicht mehr erkennt. Braten, Backen, Toasten und Kochen lassen es also alle intakt (National Celiac Association, “Does heat kill gluten?”, last verified 2026-09-13). Die Lücke, auf die die meisten als Nächstes stoßen, ist die Frage auf Gegenstandsebene – „gibt dieses Ding mir Gluten?“ – und das Internet beantwortet sie mit einer langen Liste von Dingen, die ausgetauscht werden sollen. Die Evidenz zeigt in die andere Richtung. Zwei veröffentlichte Tests alltäglicher Küchenpraktiken fanden, dass die meisten Szenarien unter 20 ppm blieben, und beide nannten dieselbe Handvoll echter Übertragungswege. Die nützliche Frage ist also nicht „Holz oder Plastik?“, sondern „was ist noch dran?“

Dieser Text stützt sich dafür auf drei Quellen aus der Region – die Alltagstipps der DZG (Deutschland), die Angaben der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie und das Lexikon der IG Zöliakie der Deutschen Schweiz – dazu auf zwei internationale Messstudien und die Praxis von Coeliac UK und der AIC, weil Krümel, Öl und Mehlstaub sich nicht an Landesgrenzen halten. Ehrlich gesagt veröffentlichen die drei Verbände unterschiedlich ausführliche Hausprotokolle: Die DZG hat mit Abstand das detaillierteste (eigene Seite zu Toaster, Öl, Nudelwasser, Lappen), die österreichische Seite bestätigt dasselbe Grundprinzip knapper, und die Schweizer Seite verweist auf eine einzelne Studie, ohne ein eigenes Protokoll zu veröffentlichen. Wo unten „die DZG sagt“ steht, ist das wörtlich die DZG – nicht automatisch auch, was der österreichische oder Schweizer Verband auf seiner eigenen Seite so formuliert hätte, auch wenn die zugrundeliegende Chemie überall dieselbe ist.

Bretter und Messer

Das Risiko. Ein Brett, auf dem gerade ein Weizenbrot geschnitten wurde, ist voller Krümel; ein Messer, das durch Brot und dann in ein Glas gegangen ist, hinterlässt Krümel im Glas. Das ist der gewöhnlichste Übertragungsweg von allen, und die einzige Studie, die Aufstriche untersucht hat, hat das bestätigt: Bei Parsons et al. (2021) lagen Mayonnaise und Erdnussbutter, die mit einem Messer in Kontakt gekommen waren, das zuvor für Weizenbrot benutzt wurde, über 20 ppm – obwohl die meisten anderen Szenarien der Studie das nicht taten.

Die Lösung. Coeliac UK empfiehlt ein eigenes Brotbrett für glutenfreies Brot sowie entweder getrennte Aufstriche oder jedes Mal sauberes Besteck bei gemeinsam genutzter Butter, Marmelade und anderen Aufstrichen. Für alles andere – Gemüse, Fleisch, Käse schneiden – ist ein Brett, das in heißem Seifenwasser oder in der Spülmaschine gewaschen wurde, ein sauberes Brett; die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Zöliakie formuliert genau dieses Prinzip auf ihrer eigenen Seite allgemein für Geschirr, Töpfe und Küchenutensilien: nutzbar für beides, sobald dazwischen gründlich gewaschen wurde. Abgenutzte Bretter sind die Ausnahme: Die DZG schließt sowohl Holz- als auch Plastikbretter mit sichtbaren Schnitten und Rillen für die glutenfreie Zubereitung aus, weil Rillen festhalten, worüber ein Lappen nur hinweggleitet. Ein Brett wird wegen seines Zustands aussortiert, nicht wegen seines Materials – und die eine Ausnahme, bei der Waschen laut der österreichischen Quelle grundsätzlich nicht reicht, ist die Getreidemühle: Sie lässt sich zwischen glutenhaltigem und glutenfreiem Mahlgut praktisch nie vollständig rückstandsfrei reinigen, was in Haushalten mit eigener Mühle für Backversuche relevant ist.

Toaster und Toaster-Beutel

Das Risiko. Ein Toaster ist eine Krümelkiste, die sich nicht auswaschen lässt. Ein eigener Toaster ist deshalb die naheliegende Lösung: Die DZG rät ausdrücklich zu einem neuen, ausschließlich glutenfrei genutzten Toaster, Coeliac UK zu Toaster-Beuteln oder einem eigenen Toaster – dieselbe Logik gilt unabhängig davon, welcher Verband in deinem Land zuständig ist, denn Krümel verhalten sich in Wien und Zürich nicht anders als in Berlin.

Was gemessen wurde. Weisbrod et al. (2020) haben glutenfreies Brot in gemeinsam genutzten Toastern mit sichtbaren Krümeln getoastet: Alle 40 Scheiben lagen unter 20 ppm (nachweisbare Proben lagen bei etwa 5–8 ppm). Parsons et al. (2021) hatten ein Szenario mit gemeinsam genutztem Toaster in einer Studie, in der 93,6 % aller Ergebnisse keinen signifikanten Kreuzkontakt zeigten.

Die Lösung. Ein eigener Toaster erledigt die Frage und kostet wenig; ein wiederverwendbarer Toaster-Beutel, der ausschließlich glutenfrei genutzt wird, ist die Antwort für unterwegs und kleine Küchen (der Vorschlag der DZG für die Reise). Wenn du gelegentlich einen Toaster teilst, sagt die Evidenz: Die Übertragung ist meist gering – sie sagt nicht, dass sie an einem bestimmten Morgen null ist, weshalb der eigene Toaster die Standardempfehlung bleibt. Unser Toaster-FAQ geht auf die Optionen ein.

Fritteusen und gemeinsam genutztes Öl

Das Risiko. Teig und Panade lösen sich in heißem Öl und bleiben darin verteilt, dann überziehen sie alles, was als Nächstes hineinkommt. Pommes, die in dem Öl frittiert wurden, das schon das panierte Hähnchen gemacht hat, sind keine „einfachen Pommes“ mehr. Das ist der eine Übertragungsweg, bei dem jede Quelle unmissverständlich ist: AIC – niemals in Öl frittieren, das bereits für glutenhaltige Speisen verwendet wurde; Coeliac UK – sauberes Öl oder eine eigene Fritteuse; und die DZG schreibt es für den deutschen Haushalt wortgleich: glutenfreie Lebensmittel nicht im selben Frittierfett ausbacken wie glutenhaltige.

Die Lösung. Frisches Öl in einer sauberen Pfanne oder eine Fritteuse, die ausschließlich glutenfreies Essen sieht. Zu Hause ist das einfach: die glutenfreie Portion zuerst in frischem Öl frittieren oder im Ofen backen. Auswärts ist das die Frage, die du vor jedem frittierten Gericht stellst – im ausführlichen Kreuzkontakt-Guide findest du die Restaurant-Seite dazu.

Siebe und Nudelwasser

Das Risiko. Weizennudeln geben Gluten an ihr Kochwasser ab, und glutenfreie Nudeln, die durch dasselbe Wasser oder dasselbe Sieb abgegossen werden, nehmen es auf. Das war das eine Szenario bei Weisbrod et al. (2020), das die Grenze klar überschritten hat: Glutenfreie Nudeln, die in Wasser gekocht wurden, das vorher für Weizennudeln benutzt worden war, erreichten bis zu 115 ppm. Die gekochten Nudeln unter fließendem Wasser abzuspülen, brachte den Wert unter 20 ppm; den Topf vor Gebrauch auszuspülen machte Gluten nicht mehr nachweisbar.

Die Lösung. Immer frisches Wasser in einem sauberen Topf (genau das sagen AIC und DZG übereinstimmend). Wenn beide Nudelsorten gleichzeitig kochen, ist die Reihenfolge der DZG die praktische: getrennte Töpfe, getrennte Rührlöffel, die glutenfreien Nudeln zuerst abgießen und in ein eigenes Gefäß geben. Die Löcher eines Siebs halten Stärke fest, deshalb braucht es eine gründliche Reinigung statt nur ein Abspülen – die AIC ist der Ansicht, dass Waschen ausreicht; ein zweites, günstiges Sieb nur für glutenfrei ist eine sinnvolle Erleichterung, wenn im Haushalt viel Weizennudeln gekocht werden, aber keine Pflicht. Diese Reihenfolge steht so nicht wortgleich auf der österreichischen oder Schweizer Vereinsseite – die Physik von Stärke und Sieblöchern kennt aber ebenso wenig eine Landesgrenze wie die von Krümeln.

Holzlöffel und -utensilien: der Mythos vom porösen Material

Die Behauptung, die dir bestimmt schon begegnet ist. Holz sei porös, Gluten setze sich in der Maserung fest, deshalb müssten alle Holzlöffel, -bretter und -nudelhölzer ersetzt werden. Diese Behauptung kursiert in allen drei Ländern, auch als pauschaler Rat auf Foren und Blogs, Holz grundsätzlich zu meiden.

Was die Evidenz sagt. Keine veröffentlichte Studie hat Gluten auf einem gewaschenen Holzutensil gemessen – Weisbrod (2020) und Parsons (2021) haben Toaster, Messer, Öl und Wasser getestet, nicht Holz. Bei den Empfehlungen ist die AIC eindeutig: Jedes Utensil „aus jedem Material, einschließlich Holz“, das richtig gewaschen wurde, kann für die Zubereitung von Speisen für Menschen mit Zöliakie verwendet werden, und sowohl Handwäsche als auch die Spülmaschine entfernen Glutenrückstände. Coeliac UK: normales Spülmittel oder die Spülmaschine entfernen Gluten. Die DZG ist die vorsichtigere der drei internationalen Quellen, und ihre Vorsicht bezieht sich auf den Zustand – Utensilien mit sichtbaren Abnutzungsspuren – nicht auf Holz an sich. Auch die IG Zöliakie der Deutschen Schweiz verweist in ihrem Lexikon auf dieselbe Richtung: Laut einer 2018 veröffentlichten Studie ist die gemeinsame Nutzung bestimmter Küchenutensilien möglich – sie veröffentlicht dazu kein eigenes ausführliches Protokoll, widerspricht der Wasch-statt-Wegwerf-Linie aber auch nicht. Keine der drei offiziellen DACH-Quellen stützt den pauschalen “Holz grundsätzlich meiden”-Rat, der online kursiert.

Die Lösung. Waschen. Ein glatter Holzlöffel, der durch heißes Seifenwasser gegangen ist, ist kein Glutenspeicher. Aussortieren solltest du alles, was rissig, ausgehöhlt oder mit Krümeln verstopft ist – in jedem Material –, denn Rückstände in einer Rille sind Rückstände, die du nicht siehst. Wenn ein paar müde gewordene Holzutensilien gegen Edelstahl oder Silikon auszutauschen den Haushalt beruhigt, ist das eine gute Entscheidung – aber wisse, dass es eine Vorliebe ist, keine Regel, die die Evidenz verlangt.

Schwämme, Lappen und Abwasch

Das Risiko. Ein Schwamm voller Krümel vom Brotbrett reinigt die Arbeitsplatte nicht, er verteilt Gluten darauf. Ein Geschirrtuch, mit dem eine bemehlte Fläche abgewischt wurde, trocknet danach den Teller der Person mit Zöliakie.

Was die Verbände sagen. Coeliac UK: Du brauchst keine getrennten Lappen oder Schwämme. AIC: Eigene Schwämme sind nicht nötig – ein gründliches Abspülen unter fließendem Wasser reicht –, aber bei Geschirrtüchern ist Aufmerksamkeit gefragt. DZG: Spüllappen, Geschirr- und Handtücher frei von glutenhaltigen Rückständen wie Mehlstaub halten.

Die Lösung. Den Lappen vor dem Abwischen für die glutenfreie Zubereitung ausspülen und auswringen, oder für den ersten Durchgang Küchenpapier nehmen; glutenfreies Geschirr zuerst in frischem Wasser spülen statt zuletzt in einer Schüssel, in der schon das bemehlte Geschirr war; und nach einer Backsession mit Weizenmehl kommen die Handtücher in die Wäsche. Normales Spülmittel erledigt die Arbeit – Reihenfolge und ein sauberer Lappen sind, worauf es ankommt.

Die Mehlwolke: Spielt Mehlstaub in der Luft eine Rolle?

Das ehrliche Bild. Gluten zu berühren ist nicht das Problem – Zöliakie wird durch Gluten ausgelöst, das du schluckst, nicht durch Gluten auf der Haut. Glutenmoleküle sind zu groß, um durch intakte Haut in den Blutkreislauf zu gelangen, deshalb ist die eigentliche Sorge immer die Aufnahme über den Mund (AOECS, “Position Paper on Gluten in Medicines and Cosmetics”, 30 October 2024, last verified 2026-09-13). Mehlstaub von Weizen in der Luft spielt genau aus diesem Grund eine Rolle, nicht weil man ihn berührt: Er setzt sich ab – auf der Arbeitsplatte, auf dem offenen Glas, auf dem glutenfreien Teig, der nebenan geht – und er kann auch durch Nase und Mund eingeatmet und in den Verdauungstrakt geschluckt werden (National Celiac Association, “Airborne gluten”, last verified 2026-09-13). Der Hinweis der DZG, Lappen und Handtücher frei von Mehlstaub zu halten, geht in dieselbe Richtung. Wir haben keine Primärquelle dafür gefunden, wie lange Mehl in einer Küche in der Luft schwebt, deshalb nennt dieser Text dazu keine Zahl – auch keine landesspezifische.

Die Lösung. Erst glutenfrei backen, bevor überhaupt Weizenmehl herauskommt. Weizenmehl verschlossen und unten lagern; glutenfreie Lebensmittel geschlossen und darüber aufbewahren (AIC: geschlossene Behälter; DZG: gut verpackt und getrennt). Nach einer Backsession mit Weizenmehl die Flächen abwischen und den Raum sich setzen lassen, bevor glutenfrei zubereitet wird. Eine normale Abendküche, in der niemand mit Mehl hantiert, ist kein nennenswertes Risiko durch die Luft – hebe dir die Vorsicht für den Backtag auf. Unser Mehlstaub-FAQ behandelt die Bäckerei- und Café-Seite.

Ein einfaches Protokoll für die gemeinsam genutzte Küche

  1. Nie Frittieröl oder Nudelwasser teilen. Frisches Öl, frisches Wasser, sauberer Topf – jedes Mal.
  2. Toaster nur glutenfrei nutzen oder mit Beutel.
  3. Eigene Aufstriche für die Person mit Zöliakie, oder eine Nur-sauberes-Messer-Regel, an die sich wirklich alle halten.
  4. Glutenfrei zuerst. Glutenfreie Speisen zuerst kochen, abgießen, backen und abwaschen – vor den Weizen-Varianten.
  5. Vorher wischen, nicht nachher. Sauberer Lappen, heißes Seifenwasser, dann erst zubereiten.
  6. Waschen statt ersetzen. Bretter, Löffel, Töpfe und Siebe sind in jedem Material in Ordnung, sobald sie gewaschen sind; sortiere alles aus, was ausgehöhlt oder mit Krümeln verstopft ist. Eine gemeinsame Getreidemühle ist die eine Ausnahme, die auch gründliches Waschen nicht löst.
  7. Geschlossen und oben lagern. Glutenfreie Lebensmittel in verschlossenen Behältern im oberen Fach; Weizenmehl verschlossen und unten.
  8. Regeln für den Backtag. Zuerst glutenfrei backen; Mehl bleibt in seiner Dose; Handtücher danach in die Wäsche.

Die Faustregel der DZG steckt hinter all dem: je weniger glutenhaltige Produkte im Haushalt, desto geringer das Kreuzkontakt-Risiko. Das ist ihre Formulierung, aber die Rechnung dahinter kennt keine Landesgrenze – sie gilt in einer Wiener oder Zürcher Wohnküche genauso wie in einer Berliner. Es ist keine Forderung, dass alle anderen glutenfrei essen sollen – nur ein ehrlicher Hebel, an dem viele gemischte Familien in allen drei Ländern halb ziehen (glutenfreie Nudeln und Saucen für alle; Weizenbrot bleibt in seiner Ecke).

Wann du weiter gehen solltest

Die meisten gemischten Haushalte brauchen nie mehr als die Liste oben. Weiter zu gehen – ein zweites Set von allem, eine komplett glutenfreie Küche – ist eine sinnvolle Entscheidung, wenn Symptome ohne Erklärung immer wieder auftreten, wenn ein Kind noch zu jung ist, um die Regeln einzuhalten, oder wenn mehrere Menschen sich eine kleine Küche teilen und die Reihenfolge ständig durcheinandergerät. Wenn du das Protokoll befolgt hast und trotzdem reagierst, ist das nächste Gespräch eines mit deiner Gastroenterologin oder deinem Gastroenterologen oder einer auf Zöliakie spezialisierten Ernährungsberatung – nicht mit einer weiteren Checkliste, und nicht mit uns: Wir informieren, wir diagnostizieren nicht. Verstecktes Gluten in der Vorratskammer und auf Etiketten ist ein anderes Problem – und dort weicht die Rechtslage zwischen den drei Ländern stärker voneinander ab als bei den Küchengegenständen hier. Der Glossareintrag, der ausführliche Guide und unsere Arbeitsweise zeigen, wo und wie du als Nächstes nachsehen kannst.

Häufig gestellte Fragen

Kann man einen Toaster teilen, wenn man glutenfrei isst?
Die Standardempfehlung ist ein eigener Toaster oder ein Toaster-Beutel. Die beiden veröffentlichten Tests fanden, dass glutenfreies Brot, das in krümelgefüllten gemeinsam genutzten Toastern getoastet wurde, unter 20 ppm blieb – gelegentliches Teilen ist also ein kleines statt ein großes Risiko, aber ein eigener Toaster erledigt die Frage ganz.

Brauche ich ein eigenes glutenfreies Schneidebrett und einen eigenen Holzlöffel?
Nicht wegen des Materials. Coeliac UK und die AIC sagen beide, dass normales Waschen Gluten von Utensilien und Brettern entfernt, Holz eingeschlossen; die österreichische und die Schweizer Vereinsseite widersprechen dem nicht. Behalte ein eigenes Brotbrett für die Krümel, und sortiere alles aus, was ausgehöhlt oder rissig ist – in jedem Material.

Ist eine gemeinsam genutzte Fritteuse jemals in Ordnung?
Nein. Teig und Krümel bleiben im Öl und überziehen die nächste Portion. Frisches Öl oder eine eigene Fritteuse – zu Hause und auswärts.

Wirkt sich Mehlstaub in der Luft auf Menschen mit Zöliakie aus?
Nicht durch das Einatmen – sondern durch das, worauf er sich absetzt. Erst glutenfrei backen, Mehl verschlossen und unten lagern, und nach einer Backsession mit Weizenmehl die Flächen abwischen.

Gilt die 20-ppm-Grenze für „glutenfrei“ auch in der Schweiz?
Der Zahlenwert ja, der gesetzliche Weg dahin nicht. In der EU – also in Deutschland und Österreich – legt die Durchführungsverordnung (EU) Nr. 828/2014 die Grenze auf ≤ 20 mg/kg fest. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied und regelt genau denselben Grenzwert eigenständig in der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV), Art. 41 – am Küchentisch macht das keinen Unterschied, auf dem Etikett ist die Rechtsgrundlage eine andere.

Diese Seite ist eine allgemeine Information für Haushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, keine medizinische oder rechtliche Beratung. Zöliakie ist individuell – wenn du nach dem Protokoll oben weiterhin reagierst, sprich mit deiner Gastroenterologin oder deinem Gastroenterologen oder einer auf Zöliakie spezialisierten Ernährungsberatung. Wir informieren; wir diagnostizieren und verschreiben nicht.

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